 |
Mein Name ist Nitya Runte. Ich bin 1964 geboren und heute als freiberufliche Hebamme in Köln
tätig.
Oft fragen mich Frauen, wie ich auf den Beruf „Hebamme“ gekommen bin. Es stimmt wohl, dass
das bei mir kein reiner Zufall war. Meine Mutter verlor nach unkomplizierter Schwangerschaft
ihr erstes Kind unter der Geburt; der Grund dafür wurde nie wirklich festgestellt, aber
Tatsache ist, dass die Hebamme bei ihr über Stunden keine Herztöne kontrolliert hatte und sie
noch nicht gebären sollte, da der Chefarzt - sie war Privatpatientin - noch auf einer Feier
war. Wenn ich mir vorstelle, wie viel Angst sie aufgrund dieser Erfahrung unter den drei darauf
folgenden Geburten gehabt haben muss, dass vielleicht wieder etwas schief geht, wird mir heute
noch ganz anders.
Ich begann 1983 nach dem Abitur meine Praktikums- und Ausbildungszeit als Hebamme und blieb bis
1992 als Kreißsaalhebamme tätig. Neben meiner Kreißsaaltätigkeit fing ich darüber hinaus an,
Frauen zuhause in ihrem Wochenbett zu betreuen, um dann kurze Zeit später ganz in die
Freiberuflichkeit zu wechseln.
Die ersten Monate begleitete ich Frauen noch zur Geburt ins Krankenhaus, aber bald ging ich
dazu über, nur noch freiberuflich zu arbeiten und biete seitdem Beratungen, Schwangerschaftsvorsorge,
Geburtsvorbereitung,
Haus- und Wassergeburten sowie Wochenbettbetreuung an.
Seitdem habe ich mich unter anderem in den Bereichen Erst- und Notfallversorgung von
Neugeborenen einschließlich Reanimation, Neugeborenenscreening, Impfungen, Allergieprophylaxe,
Gestosebehandlung, Beckenbodentraining, Akupunktur, Babyschwimmen und
Wassergeburt weitergebildet.
Seit 1995 ist mit der tiefenentspannenden Geburtsvorbereitung im warmen Wasser, Aquabalancing, ein nicht mehr weg zu
denkender Bestandteil zu einer ganzheitlichen Betreuung dazugekommen. Aquabalancing ermöglicht
es mir, Frauen und Paare nicht nur intellektuell auf die Geburt vorzubereiten, sondern ihre
Intimität, ihren Kontakt zum Kind und ihre Hingabefähigkeit an eine unbekannte Situation, wie
die Geburt sie ja auch darstellt, zu stärken.
Meistens empfinde ich meine Hebammentätigkeit nicht als Arbeit, sondern als etwas, das ich
einfach von Herzen gerne tue. Auch wenn es mal Augenblicke gibt, in denen mir ein „normaler
Job“ mit festumrissenen Arbeitszeiten und etwas weniger Verantwortung verlockend erscheint,
ziehe ich meine kontinuierliche und individuelle Betreuung von Frauen der Routine eines
Kreissaalschichtdienstes vor. Ich empfinde es als persönliche Bereicherung, Menschen, so
ehrlich und unverfälscht wie sie nun mal sind, in der besonderen Situaition von Schwangerschaft
und Geburt erleben zu dürfen und gleichzeitig viel Vertrauen zu meiner Person zu erfahren.
Ich erfreue mich an jeder Frau, jeder Familie, die sich gerade in unserer heutigen Zeit, auf
ihre eigenen Kräfte vertrauend, auf eine natürliche Geburt einlässt und so ihrem Kind einen
einzigartigen Lebensbeginn im Schutz von Liebe, Respekt und Geborgenheit ermöglicht.
Da ich in meiner 25- jährigen Berufslaufbahn auf über 1000 Geburten inner- und außerklinisch
vergleichend zurückblicken kann, wage ich es als Tatsache zu formulieren, dass „meine
Hausgeburtsbabies“ so gut wie nie von den Wehen überfordert sind, sondern einfach herrlich
entspannt, rosig und mit neugierigen Blicken in unsere Welt gleiten.
Ich hoffe, ich darf noch oft bei diesem Geschehen dabei sein und bedanke mich an dieser
Stelle auch bei all den Eltern, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und mich an ihrem Leben
haben teilnehmen lassen.
|
 |